Mazur, Familie

Mazur, Robert, Getrud Mazur, Otto Mazur, Helga Mazur, Ursula Mazur, Adelheid Mazur 

Ebelingstraße 10

 

6 Stolpersteine gesetzt am 2.11.2012

Verwandte
Edelstein, Halpert, Sanders, Schalscha, Steinberg, Tachau

 

Robert Mazur (geb. 1885 in Köthen) heiratete Gertrud (1889 geb. Halpert) aus Gera.

Gertruds Eltern waren Dagobert Halpert (geb. 1856) und Anna (geb. Edelstein). Else (verh. Frenckel) und Georg (geb. 1891) hießen ihre Geschwister. Robert Mazurs Schwester Hilde war verheiratet mit Franz Schalscha aus Görlitz (geb. 1903). Beide emigrierten 1933 nach Südafrika und lebten noch bis mindestens 1998.

Robert und Gertrud Mazur's Kinder heißen: Otto Heinrich "John Steven" (geb. 1914), Helga Ruth (geb. 1916, verh. Sanders) Ursula Anna (geb. 1919, verh. Steinberg) und Adelheid Elisabeth "Heidi" (geb. 1923, verh. Tachau). Alle mussten aus Gera flüchten weil sie Juden waren, sie konnten ihren Verfolgern zum Teil über Cuba in die USA entkommen. Nach dem Tod der Gründungsväter leitete Robert Mazur gemeinsam mit seinem Schwager Georg Halpert die Geraer Firma Halpert & Co. sehr erfolgreich. Auch in Münchenbernsdorf und Hohenstein-Ernstthal wurde produziert. In über 50-jähriger Firmengeschichte schufen sie tausende Arbeitsplätze für Juden und Nichtjuden. Bei den Zulieferfirmen (z.B. Spinnereien) waren viele weitere Arbeitsplätze entstanden. 1938 kam es zur entschädigungslosen Zwangsenteignung durch die Nationalsozialisten. Die Halperts und Robert Mazur waren bei ihrer Belegschaft beliebt, fortschrittlich und sozial eingestellt. Sie hatten eine eigene Betriebskrankenkasse. 1923 spendete die Firma z.B. 10.000 Reichsmark für Museumszwecke. Belegt sind die Arbeiter-Kinderfeste im Martinsgrund, die von der Firma organisiert und finanziert wurden. Die Firma stellte das Haus Meistergäßchen 10 als jüdische Schule und "Jugend-Club" zur Verfügung. Der jüdischen Sportverein Maccabi Bar Kochbar Gera wurde von Robert Mazur unterstützt. Er war Vorsitzender der Geraer Ortsgruppe der Reichsvereinigung jüdischer Frontkämpfer des 1. Weltkriegs. Das historische ehemalige Hauptgebäude ist heute Parkhaus der Gera-Arcaden. Dort wurde noch bis 1991 unter anderen Eigentumsverhältnissen produziert. Robert Mazur übte mehrere Ehrenämter in jüdischen Vereinen Geras aus. Im Novemberpogrom 1938 wurde er und sein Sohn Otto verhaftet im KZ Buchenwald so schwer misshandelt, dass sie lebenslange Gesundheitsschäden davontrugen. Bei ihrer Flucht nach England 1939 schmuggelten Robert und Gertrud Mazur und Anna Halpert im Reisegepäck zwei der Geraer Thora-Rollen. Bereits am 13.6.1936 ist eine Schiffsreise Roberts und Gertruds Bremen-Southampton mit der "Europa" dokumentiert. Robert starb 1942 in London 57jährig. Gertrud starb 1969 mit 80 Lebensjahren.

Verlegeort ist vor dem ehemaligen Wohnhaus Ebelingstr. 10.

Roberts Schwiegermutter Anna Halpert, die mit im Haus wohnte und das gleiche Schicksal erlitt, wurde nicht berücksichtigt. Fehler der Inschrift: Elisabeth heißt verheiratet Tachau, nicht Tachauer.


M.W. (Stand 22.10.2013)