Bassinger, Anna

Maler-Reinhold-Str. 3

 

Stolperstein gesetzt am 7.12.2013 

Die Witwe Anna Bassinger war knapp 40 Jahre alt, als sie um 1930 nach Gera zog. Sie hatte den aus Schlesien stammenden Schriftsetzer Erich Conrad aus der Debschwitzer Str. kennengelernt. Er arbeitete bei der Geraer Zeitung. Das Paar verlobte sich.

Sie bekannten sich zu den Bibelforschern, wie die Zeugen Jehovas damals hießen. Die Nationalsozialisten verfolgten die Bibelforscher aus ideologischen Gründen als Feinde ihres Systems.

Frau Bassinger und Herr Conrad wurden erstmals 1935 verhaftet. 1937 wurde ihnen und anderen in Gera der Prozess gemacht. Sie wurde zu 2,5 Jahren Haft verurteilt. Nach der Haftverbüßung im Frauengefängnis Leipzig-Kleinmeusdorf kam sie nicht frei. Im September 1940 wurde sie ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück eingeliefert. Nach einem Angriff von Wachhunden war sie schwer verletzt nicht mehr arbeitsfähig. Nach 3 Wochen Aufenthalt in der Krankenbaracke wurde sie in der „Aktion 14f13“ selektiert. Sie starb am 8. Mai 1942 in der Gaskammer der Tötungsanstalt Bernburg/Saale.

Erich Conrad wurde zu 4,5 Jahren verurteilt. Nach Haftverbüßung im Gefängnis Ichtershausen überlebte er den Nationalsozialismus und starb Anfang der 1970er Jahre.

Anna Bassinger, 1891 geb. Reitzel, stammte aus Denzlingen/ Breisgau. Sie war dort verheiratet mit dem Eisenbahn-Inspektor Otto Bassinger. Nach 1920 lebte die Familie im Schwarzwald. Otto Bassinger starb schon 1924.

Auch die erwachsenen Kinder von Frau Bassinger, Heinz und Anneliese, lebten von 1930-41 in Gera. Anneliese war seit 1937 verheiratet mit Willy Winkler. Heinz starb als Wehrmachtsoffizier 1942 auf der Halbinsel Krim.

Stolperstein vor der letzten Wohnung (damals) Reinholdstr. 3.


Stand 8.10.2017
Recherche M.W./ Prof. D.G., Denzlingen