Künftige Stolpersteine

Das ganze Spektrum der nationalsozialistischen Verfolgung ist auch in Gera und Umgebung nachweisbar. Mehr als 500 Personen sind hier unmittelbare Opfer des Holocaust (1933-1945).

Das Ziel: Jeder Familienname soll mindestens einmal auf einem  Stolperstein zu lesen sein.

Künstlerisches Anliegen ist, die Mitglieder der betroffenen  Familien symbolisch mitten im Gehweg vor dem letzten  freigewählten, gemeinsamen Wohnort auf ewig zu vereinen. Das führt dazu, dass bevorzugt familienweise verlegt wird, auch um spätere Nachverlegungen zu vermeiden.

Vorschläge

Zur Auswahl bedeutender Geraer Persönlichkeiten, die NS-Opfer wurden:

  

3 Stolpersteine

 

Viktor, Alice Derbuel und Tochter, Kaiser-Wilhelm-Str. 136

Das Ehepaar lebte von 1919-1944 in Gera und hatte eine Tochter Fernande (geb. 1921 in Gera). Alice musste als Jüdin 1944 ins KZ Theresienstadt und der Christ Viktor in das Zwangsarbeitslager Ammendorf bei Halle. Ihr Autozulieferer-Betrieb wurde von den Nationalsozialisten enteignet und von den sowjetischen Besatzungstruppen unentgeltlich genutzt. 1945 zogen sie nach Frankreich. Dort bauten sie die Firma neu auf.

 

1 Stolperstein

 

Dr. Walter Spiegel, Nikolaiberg 6

Der Lehrer Studienrat Dr. phil. Walter Spiegel , 45 Jahre alt, kam durch Versetzung von Gotha an die Mittelschule nach Gera. Er besaß die Lehrbefähigung für die Fächer: Religion, Latein, Deutsch. Er unterrichtete auch Hebräisch und Musik. Wegen seiner jüdischen Abstammung erhielt er am 01.10.1933 Berufsverbot. Im Novemberpogrom 1938 wurde er verhaftet und von Gera nach Buchenwald gebracht. Im Januar 1939 gelang ihm und seiner Frau die Flucht in die USA.

 

1 Stolperstein

 

Frau Dr. Erna Philipp

Dr. Philipp war Ärztin. Sie war 33 Jahre alt, als sie von Kiel nach Gera kam, um sich am Städtischen Krankenhaus bei Professor Simmel internistisch fortzubilden. Die Zeitung "Geraer Beobachter" machte einen Skandal aus der Tatsache, dass Frau Philipp Jüdin war. Als sie allein aus diesem Grund wieder entlassen wurde, war sie ganze zwei Wochen angestellt. 1935 gelang Frau Dr. Philipp die Flucht nach Beirut im Libanon.

 

5 Stolperstein

 

Theodor und Rosa Falkenstein und 2 Kinder, Großvater Julius Falkenstein, Johannisplatz 3

Theodor Falkenstein war Textil-Kaufmann und im Vorstand der israelitischen Kulturgemeinde Gera. Die Familie lebte langjährig in Gera. 1938 flüchteten er, seine Ehefrau Rosa und Tochter Anneliese nach Melbourne. Vater Julius (80) konnte nicht mehr mit und starb im gleichen Jahr. Sohn Herbert besuchte das Gymnasium Ruthenäum und floh nach England. Dort wurde er Zahnarzt und Oralchirurg. Anneliese wurde in Australien Dentalkeramikerin.

 

5 Stolperstein

 

Frau Dr. Else Simmel und 4 Kinder, Wohnhaus Vollersdorfer Str. 33

 

Dr. Else Simmel war Ärztin und die Ehefrau von Prof. Dr. Hans Simmel. Sie hatte eine Pädiatrische Praxis in eigener Niederlassung von 1925-1928 in Jena. Ihre 4 Kinder waren Marianne (geb. 1923), Eva (geb. 1925), Arnold (geb. 1926) und Gerhard (geb. 1930). Sie lebte in Gera von 1929-1934 als Mutter ohne ärztliche Tätigkeit. Als Jüdin wurde sie mit Mann und Kindern aus Gera vertrieben. In ihrem Zufluchtsland USA ist sie wieder tätig als Kinderärztin. Tochter Marianne wird Lehrerin, Eva Laborantin, Arnold Physiker, Gerhard wird Student in Princeton, New Jersey.

 

5 Stolperstein

 

Emma und David Wertheim und 3 Kinder, Wohnung Heinrichstr. 9

 

David war von 1891-1936 Lehrer und Prediger der jüdischen Gemeinde Gera. Er starb 1936 in Gera. Emma flüchtete von Gera 1941 über Lissabon nach New York. Sie war die letzte Geraer Jüdin, der die Flucht vor dem Holocaust gelang. Sie hatten drei Söhne: Rudi, Ernst (geb.1906 in Gera) und Kurt. Rudi starb jung. Ernst besuchte die Mittelschule und das Realgymnasium. Er wurde Verkäufer und Lagerist im Kaufhaus Hermann Tietz. Im Novemberpogrom 1938 wurde er von Stuttgart nach Dachau gebracht. Ernst und seiner Schwester Olga gelang die Flucht in die USA. Ernst kämpfte im zweiten Weltkrieg als Sergeant der US Army. Kurt besuchte ebenfalls das Geraer Realgymnasium. Auch seine Flucht glückte.

 

 

Gern erteilen wir in unserer Freizeit Auskünfte oder machen Ihnen andere Vorschläge. Wir bitten Sie aber um etwas Geduld.

Großes Interesse besteht unsererseits an weiterführenden Informationen, Auskünften z.B. von Nachkommen, ehemaligen Nachbarn, Fotos oder Briefe von betroffenen Personen. Auch für glaubhafte Berichtigungen biografischer Angaben sind wir dankbar.