Künftige Stolpersteine

Das ganze Spektrum der nationalsozialistischen Verfolgung ist auch in Gera und Umgebung nachweisbar. Mehr als 500 jüdische Personen sind hier unmittelbare betroffen (1933-1945). Das betrifft auch Personen des politischen Widerstands und Verfolgte aus religiösen und weltanschaulichen Gründen, sowie ihrer sexuellen Orientierung.

Das Ziel: Jeder Familienname soll mindestens einmal auf einem  Stolperstein zu lesen sein.

Künstlerisches Anliegen ist, die Mitglieder der betroffenen  Familien symbolisch mitten im Gehweg vor dem letzten  freigewählten, gemeinsamen Wohnort auf ewig zu vereinen. Das führt dazu, dass bevorzugt familienweise verlegt wird, auch um spätere Nachverlegungen zu vermeiden.

 

Vorschläge für neue Stolpersteine

2 Stolpersteine für die Brüder Hermann und Alfred Birnbaum (240 Euro)

Beide wurden 1905 bzw. 1916 in Gera geboren. Sie hatten 5 Geschwister. Ihre jüdischen Eltern stammten aus Baranow/Galizien/Kaiserreich Österreich-Ungarn. Seit 1902 wohnten sie in Gera. Hermann Birnbaum besuchte die Bergschule, das Gymnasium Rutheneum, studierte in Leipzig Chemie und promovierte 1934. Er emigrierte im Oktober 1935 von Hamburg nach New York. 1944 heiratete er und sie hatten einen Sohn. Der Lebensmittelchemiker Prof. Dr. Hermann Birnbaum lebte bis zu seinem Tod 1995 in Pittsburgh (USA). Der 86-Jährige war 1991 in Gera und sprach vor einer Klasse des Rutheneums. Seine schriftlichen Erinnerungen an das Leben in Gera trugen entscheidend dazu bei, dass das jüdische Leben Geras wiederentdeckt wurde.

Alfred war sein 11 Jahre jüngerer Bruder. Er lebte seit etwa 1932 Jahr bei seiner Schwester in Karlsbad (CZ). Sein Schwager betrieb im Kurviertel ein Ladengeschäft, wo Alfred Handelsgehilfe war. Im September 1938 floh die Schwester mit Familie über Prag und Triest nach New York. Alfred ging nach Krakau (PL). Vergeblich wartete er auf seine Ausreisegenehmigung. Nach der Besetzung Polens war er in den bewachten Zwangsarbeitslagern von Mielec und Tarnobrez. Nach deren Auflösung kam er am 6.9.1943 nach Mauthausen. Alfred Birnbaum starb in der Krankenbaracke des KZ Mauthausen am 27.9.1944 mit nur 28 Jahren.

4 Stolpersteine für Kantor und Prediger David Wertheim, seine Frau Emma und die Söhne Ernst und Kurt  (480 Euro)

David war von 1891-1936 Lehrer und Prediger der jüdischen Gemeinde Gera. Er starb 1936 in Gera. Emma flüchtete von Gera 1941 über Lissabon nach New York. Sie war die letzte Jüdin, der die Flucht aus Gera gelang. Sie hatten drei Söhne: Rudi, Ernst und Kurt. Rudi starb jung. Ernst besuchte die Mittelschule und das Realgymnasium. Er wurde Verkäufer und Lagerist im Kaufhaus Hermann Tietz. Nach 1935 lebte er in Stuttgart und wurde im Novemberpogrom 1938 nach Dachau gebracht. Ernst gelang die Flucht in die USA. Er kämpfte im zweiten Weltkrieg als Sergeant der US Army. Kurt besuchte ebenfalls das Geraer Realgymnasium. Auch seine Flucht glückte.

4 Stolpersteine für Familie Moses Milewicz (480 Euro)

Moses Milewicz kam nach dem 1. Weltkrieg aus Grajewo nach Gera. Er heiratete 1926 die Geraerin Hedwig Feiler, die anläßlich der Hochzeit zum jüdischen Glauben konvertierte. Das Ehepaar bekam zwei Söhne, die in Gera geboren wurden. Sie hießen Shlomo und Wolf. Vater Moses arbeitete zuletzt als Kohlenträger beim Kohlenhändler Walter Hänsel am Walkmühlenplatz, wo die Familie auch wohnte. Im Novemberpogrom 1938 musste Moses nach Buchenwald. 1944 wurde er nach Auschwitz deportiert und starb am 7.2.1945 in Mauthausen. Shlomo und Wolf mußten noch im Februar 1945 nach Theresienstadt. Sie wurden befreit. Frau Hedwig mußte in Gera Zwangsarbeit leisten, aber überlebte. Am Beispiel der Familie lassen sich Namen von 3 mutigen Geraer Familien nachweisen, die ihre Helfer in der Not wurden.   

4 Stolpersteine für Moritz und Frieda Kronberg und die Söhne Hermann und Isaak  (480 Euro)

Moritz und Frieda Kronberg geb.Rapoport kamen vor 1914 in die Haupt- und Residenzstadt Gera. Moritz war Frontkämpfer im 1.Weltkrieg. Sein Beruf war Weber, später Handelsmann. 1914 und 1919 wurden in Gera ihre beiden Söhne Hermann und Isaak geboren. Hermann verließ als 19-Jähriger Gera 1933 nach Belgien und kam später nach Palästina. Isaak wurde im Januar 1938 vom Landgericht Gera wegen "Rassenschande" verurteilt. Sein letztes Lebenszeichen stammt von Ostern 1939 aus Lodz (Polen).Vater Moritz war ab 10.11.1938 mit den anderen jüdischen Männern in Buchenwald. Am 10.5.1942 wurde das Ehepaar (60/56) nach Belzyce deportiert. An einem unbekannten Tag kamen sie kurz danach ums Leben.

 

Gern erteilen wir in unserer Freizeit Auskünfte oder machen Ihnen andere Vorschläge. Wir bitten Sie aber um Geduld, alles geschieht ehrenamtlich.

Großes Interesse besteht unsererseits an weiterführenden Informationen, Auskünften z.B. von Nachkommen, ehemaligen Nachbarn, Fotos oder Briefe von betroffenen Personen. Auch für glaubhafte Berichtigungen biografischer Angaben sind wir dankbar.