Künftige Stolpersteine

Das ganze Spektrum der nationalsozialistischen Verfolgung ist auch in Gera und Umgebung nachweisbar. Mehr als 500 Personen sind hier unmittelbare Opfer des Holocaust (1933-1945).

Das Ziel: Jeder Familienname soll mindestens einmal auf einem  Stolperstein zu lesen sein.

Künstlerisches Anliegen ist, die Mitglieder der betroffenen  Familien symbolisch mitten im Gehweg vor dem letzten  freigewählten, gemeinsamen Wohnort auf ewig zu vereinen. Das führt dazu, dass bevorzugt familienweise verlegt wird, auch um spätere Nachverlegungen zu vermeiden.

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Zur Auswahl bedeutender Persönlichkeiten, die NS-Opfer wurden:  

3 Stolpersteine für Maria, Rudolf und Ferdinand Hirschberg 

Maria Hirschberg, 1900 geb. Clad, hatte zwei Söhne. Sie hießen Rudolf und Ferdinand. Nach der Scheidung verließ ihr jüdischer Ehemann Deutschland mit einer anderen Frau. Frau Hirschberg drohte nach einem Urteil des Erbgesundheitsgericht Gera die Zwangssterilisation. Unter dem Druck der Verhältnisse beging Frau Hirschberg 1937 Suizid. Sie wohnte 35 ihrer 37 Lebensjahre in Ronneburg.

Rudolf und Ferdinand besuchten das Geraer Gymnasium Rutheneum. Rudolf mußte am 10.11.1938 nach Buchenwald. Nach einem mißglückten Fluchtversuch in die Schweiz wurde er 1942 nach Ausschwitz deportiert und dort ermordet. Ferdinand kam 1944 in ein mitteldeutsches Arbeitslager der Organisation Todt. Von dort konnte er fliehen, versteckte sich bis Kriegsende und überlebte.

6 Stolpersteine für Familie Jakob Wernik und Frau Jenny, zwei Söhne und zwei Töchter, Bauvereinstr. 8

Familie Wernik stammte aus Grajewo in Russisch-Polen. Bereits 1906 war Jakob das erste Mal hier in Gera. In der Folgezeit lebte und arbeitete die Familie und weitere Verwandte 25 Jahre in Gera bis zum Schicksalsjahr 1938. In der Polenaktion wurden sie ausgewiesen. Wie schon sein Vater, war Jakob sehr erfolgreicher Pferdehändler. In Gera handelte er nach 1920 mit technischen Ölen und Schmierstoffen. Jenny war mithelfende Ehefrau. Zwischen 1934-39 gelang Matthias, Josef, Rosa und Heidi einzeln die Flucht aus Deutschland. Die jungen Männer kämpften während des 2. WK. in der jüdischen Brigade der britischen Armee. Jakob und Jenny Wernik sind 1942 im Warschauer Ghetto umgekommen.

4 Stolpersteine für Viktor und Alice Derbuel mit Tochter, und Großmutter Heidemann Kaiser-Wilhelm-Str. 136

Das Ehepaar lebte von 1919-1948 hier und hatte eine Tochter Fernande (geb. 1921 in Gera). Viktor mußte im Herbst 1944 in der "Mischlingsaktion" in das Zwangsarbeitslager Ammendorf bei Halle. Er überlebte das Kriegsende. Ihr Geraer Autozulieferer-Betrieb wurde von den sowjetischen Besatzungstruppen demontiert. In Frankreich bauten sie die Firma neu auf. Großmutter, Mutter und Tochter tauchten mit Hilfe bisher unbekannter Retter unter. Sie hatten als Juden den Deportationsbescheid nach Theresienstadt schon erhalten. Auch sie erlebten das Kriegsende.

1 Stolperstein für Dr. Walter Spiegel, Nikolaiberg 6

Der Lehrer Studienrat Dr. phil. Walter Spiegel , 45 Jahre alt, kam vom Gymnasium Ernestinum aus Gotha an die Mittelschule nach Gera. Er besaß die Lehrbefähigung für die Fächer: ev.Religion, Latein, Deutsch. Er unterrichtete auch Hebräisch und Musik. Wegen seiner jüdischen Abstammung erhielt er am 01.10.1933 Berufsverbot. Im Novemberpogrom 1938 wurde er verhaftet und von Gera nach Buchenwald gebracht. Im Januar 1939 gelang ihm und seiner Frau die Flucht in die USA. 

2 Stolpersteine für Paula Sommerfeld und Tochter Ruth, Karl-Liebknecht-Str. 4

Die jüdische Frau Sommerfeld war seit 1929 Witwe. Ihre einzige Tochter Ruth war knapp zwei als ihr Vater starb. Paula meldete ein Handelsgewerbe an und half mit im Geschäft ihres Schwagers Jakob Wernik. 1938 wurden sie von der Polenaktion betroffen. Bis 1941 lebten sie bei einer Tante im russisch besetzten Gebiet. Der inzwischen 10- jährigen Ruth gelang 1939 die Flucht mit einem Kindertransport nach England. Nach dem Angriff auf die Sowjetunion wurde Paula nach Wilna deportiert, wo sich ihre Spur verliert. Sie ist 43 Jahre alt, als sie Opfer des Holocaust wird. Frau Sommerfeld lebte 20 Jahre in Gera.

1 Stolperstein für Frau Dr. Erna Philipp

Dr. Philipp war Ärztin. Sie war 33 Jahre alt, als sie von Kiel nach Gera kam, um sich am Städtischen Krankenhaus bei Professor Simmel internistisch fortzubilden. Die Zeitung "Geraer Beobachter" machte einen Skandal aus der Tatsache, dass Frau Philipp Jüdin war. Als sie allein aus diesem Grund wieder entlassen wurde, war sie ganze zwei Wochen angestellt. 1935 gelang Frau Dr. Philipp die Flucht nach Beirut im Libanon. 

4 Stolpersteine für Familie David und Klara Wernik mit den Kindern Max und Lotte, Lutherstr. 6

Diese jüdische Familie kam um 1918 aus dem russisch besetzten Ostpolen und lebte rund 20 Jahre in Gera. David war im Geschäft seines Bruders Jakob (siehe oben) angestellt. 1938 wurde auch diese Familie von der Polenaktion betroffen. Die Eltern und die Tochter Lotte wurden an unbekanntem Tag nach dem 22.6.1941 ermordet. David lebte noch bis 1943 im KZ Auschwitz. Max wurde sowjetischer Soldat und erreichte im Juli 1945 22-jährig seine Geburtsstadt Gera.

5 Stolpersteine Frau Dr. Else Simmel und 4 Kinder, Wohnhaus Vollersdorfer Str. 33

Dr. Else Simmel war Ärztin und die Ehefrau von Prof. Dr. Hans Simmel. Sie hatte eine Pädiatrische Praxis in eigener Niederlassung von 1925-1928 in Jena. Ihre 4 Kinder waren Marianne (geb. 1923), Eva (geb. 1925), Arnold (geb. 1926) und Gerhard (geb. 1930). Sie lebte in Gera von 1929-1934 als Mutter ohne ärztliche Tätigkeit. Als Jüdin wurde sie mit Mann und Kindern aus Gera vertrieben. In ihrem Zufluchtsland USA ist sie wieder tätig als Kinderärztin. Tochter Marianne wird Lehrerin, Eva Laborantin, Arnold Physiker, Gerhard wird Student in Princeton, New Jersey.

5 Stolpersteine für  Emma und David Wertheim und 3 Kinder, Wohnung Heinrichstr. 9

David war von 1891-1936 Lehrer und Prediger der jüdischen Gemeinde Gera. Er starb 1936 in Gera. Emma flüchtete von Gera 1941 über Lissabon nach New York. Sie war die letzte Geraer Jüdin, der die Flucht vor dem Holocaust gelang. Sie hatten drei Söhne: Rudi, Ernst (geb.1906 in Gera) und Kurt. Rudi starb jung. Ernst besuchte die Mittelschule und das Realgymnasium. Er wurde Verkäufer und Lagerist im Kaufhaus Hermann Tietz. Im Novemberpogrom 1938 wurde er von Stuttgart nach Dachau gebracht. Ernst und seiner Schwester Olga gelang die Flucht in die USA. Ernst kämpfte im zweiten Weltkrieg als Sergeant der US Army. Kurt besuchte ebenfalls das Geraer Realgymnasium. Auch seine Flucht glückte.

 

Gern erteilen wir in unserer Freizeit Auskünfte oder machen Ihnen andere Vorschläge. Wir bitten Sie aber um etwas Geduld.

Großes Interesse besteht unsererseits an weiterführenden Informationen, Auskünften z.B. von Nachkommen, ehemaligen Nachbarn, Fotos oder Briefe von betroffenen Personen. Auch für glaubhafte Berichtigungen biografischer Angaben sind wir dankbar.