Prof. Dr. Rudolf Paul
Johannisstr. 13
Stolperstein gesetzt am 9.5.2026
Rudolf Paul wurde in Gera geboren als Sohn des Baumeisters Carl Albert Paul seiner Frau Theodora Wittig. Er besuchte Volksschule und Realgymnasium in Gera. Er studierte Rechts- und Staatswissenschaft in Leipzig, Berlin und Jena.
Er meldete sich freiwillig zum Militär und war von 1914-1918 zuletzt als Offizier der Luftflotte. Die Promotion war 1920 in Jena. Im selben Jahr war die Heirat mit der Jüdin Lilli Biermann, Tochter des bekannten Geraer Kaufhausbesitzers. Die Scheidung 1938 erfolgte unter dem Eindruck der Ereignisse im gegenseitigen Einvernehmen. Durch Zahlung einer großen Geldsumme versuchte er Lilli vor der Deportation zu retten. Vergeblich. Lilli kommt in der Shoa ums Leben.
Paul heiratet erneut. Beide Ehen bleiben kinderlos.
Als Thüringer politischer Staatsanwaltsrat beantragte er 1924 u.a. die Verhaftung und Ausweisung von Adolf Hitler. Das scheiterte. Paul wurde aus dem Justizdienst entlassen. Von 1924-33 war er in Gera als Rechtsanwalt tätig gemeinsam mit dem damals unverheirateten jüdischen Sozius Dr. jur. Max Carl Hauptmann. Gemeinsam vertreten sie auch Verfolgte. Sie stellen sich damit gegen den gegen den Thüringer NSDAP- Innenminister. Sofort nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten kamen das Berufsverbot und der Einzug sämtlicher Vermögenswerte. Paul verlässt Gera und geht 12 Jahre in die innere Emigration als Landwirt nach Ulrichswalde bei Stadtroda. 1940 kommt es zum Heimtückeprozess vor dem Sondergericht des OLG Jena. Er hat Glück und darf unter Auflagen wieder zurück nach Ulrichswalde.
Hier handelt es sich um eine Hinzuverlegung zu dem bereits vorhandenen Stein für Dr.jur. Max Carl Hauptmann. Es war der Standort einer der größten Thüringer Anwaltskanzleien mit 10 Angestellten und 2 Bürovorstehern. Die Praxis Hauptmann/Paul war in den 1920ern ein lokaler Kristallisationspunkt des linksbürgerlich-liberal-jüdischen intellektuellen Widerstands gegen das Erstarken des Nationalsozialismus.
Im Mai 1945 unter den Amerikanern wird Paul Geraer Oberbürgermeister und bald darauf Präsident des Landes Thüringen. 1947 Flucht nach Westberlin. Bis 1967 zog sich sein Wiedergutmachungsverfahren hin. In Frankfurt am Main ist er dann noch erfolgreich 30 Jahre als Anwalt tätig. Er stirbt 84-jährig 1978 in Frankfurt/Main. mw2026
