Georg Tietz


Humboldtstr. 1

Stolperstein gesetzt am 9.5.2026

Hier im Haus Humboldtstr. 1 wurde Georg Tietz geboren. Er war das erste Kind der jüdischen Familie Oscar (1858-1923) und Betty Tietz (1864-1947).Unweit steht heute noch der verwaiste Bau des Warenhauses Hermann Tietz von 1914. Gera gilt als  Gründungsort der Hermann Tietz OHG. Erstmals seit 92 Jahren kann man den berühmten Namen Tietz wieder dauerhaft in der Geraer Öffentlichkeit lesen.

Georgs Vater Oscar kam mit seinem Onkel Hermann 1882 von der Stadt Birnbaum über Berlin nach Gera. Sie gründeten ein kleines Wäschegeschäft auf der Sorge 23. Dieser Onkel Hermann Tietz (1837-1907) wurde zum Namensgeber.

Der Name Tietz ist eng mit der Gründung der jüdischen Gemeinde 1885 und mit Gera verbunden. Der Umbau eines Gasthaus-Saals und die Innenausstattung der ersten liberalen Synagoge in der Leipziger Straße war eine der Stiftungen der Familie Tietz.

Als Kleinkind verließ Georg mit seinen Eltern Gera nach München. Er bekam noch zwei Geschwister. Georg besuchte die Berliner Handelshochschule und wurde Kaufmann. Seine Ehefrau wurde Edith, geborene Grünfeld. Sie bekamen zwei Kinder. Mit seinem Bruder Martin und seinem Schwager Dr. Zwillenberg waren sie die zweite Generation der erfolgreichen Warenhausfamilie. Die Blütezeit war in den Goldenen Zwanzigern. 1932 konnte noch das 50-jährige Firmenjubiläum gefeiert werden.

Georg Tietz und seine Familie wurden als Juden verfolgt, schikaniert, drangsaliert, entrechtet, ihres Eigentums beraubt und mit dem Tod im KZ bedroht. Georg und seine Familie flüchtete 1938 über Liechtenstein, Schweiz, England, Cuba in die USA.  Auch seinen beiden Geschwistern und deren Familien gelang die Flucht. Dabei verloren Sie ihr ganzes Vermögen.

Nach dem Krieg besuchte Georg Tietz mit seiner Frau das zerstörte Berlin. Ob er auch noch mal in seiner Geburtsstadt Gera war, ist nicht bekannt. 1953 starb er in New York. Er ist mit seiner Frau begraben in Ridgewood/Queens, Linden Hills Jewish Cemetery. mw2026